Ernst Steininger kennt man - unter anderem - als Wirtschaftskammer-Vertreter für eCommerce. Was vielleicht nicht allen bekannt ist: Unter dem Künstlernamen SoyErnesto hat er sieben Alben veröffentlicht – mit KI generiert. Im Gespräch erzählt er, wie das geht, welche Tools er nutzt und was Musik mit künstlicher Intelligenz wirklich bedeutet.
Stell dir vor, du sitzt beim Frühstück. Dir fällt eine Melodie ein, ein Textstück, eine Stimmung. Und kurze Zeit später hast du einen fertigen Song-Entwurf. Kein Studio, kein Produzent, kein großes Budget nötig.
Genau das ist heute möglich – und genau das macht Ernst Steininger unter seinem Künstlernamen SoyErnesto. In seiner Freizeit komponiert er. Nicht mit Stift und Notenpapier – sondern mit KI.
Mittlerweile gibt es von ihm sieben Alben auf Spotify. Songs, die zum Teil in amerikanischen Internetradios gespielt wurden. Ich freue mich, dass er seine Erfahrung hier mit uns teilt.
📊 INFO: Wie viel Musik ist heute KI-generiert?
Die ehrliche Antwort: Niemand weiß es genau. Große Plattformen wie Spotify taggen KI-Musik kaum systematisch – verlässliche Gesamtzahlen fehlen.
Was wir wissen: Der französische Streaming-Dienst Deezer – einer der wenigen, der aktiv KI-Tracks identifiziert – berichtet für November 2025, dass bereits 50.000 voll KI-generierte Songs täglich hochgeladen werden. Das entspricht rund 34% aller täglichen Uploads auf der Plattform.
Spotify selbst hat im selben Zeitraum über 75 Millionen verdächtige „Spam-Tracks" – darunter viele KI-generierte – aus seinem Katalog gelöscht. Wie viele KI-Songs nach wie vor verfügbar sind, kommuniziert das Unternehmen nicht.
Eines ist klar: Die Zahlen wachsen rasant – und ein Ende ist nicht in Sicht.
„Suno ist eigentlich eine Music Box"
Cornelia: Wie bist du zu KI-Musik gekommen – und was kann Suno AI eigentlich?
SoyErnesto: Im Prinzip ist Suno.com ein Tool, mit dem jemand, der überhaupt keine Ahnung von Musik hat, genauso damit arbeiten kann wie jemand, der – so wie ich – schon Jahrzehnte lang Gitarre spielt, Gesang macht, Keyboard spielt.
Als Laie kannst du einfach in den Standard Mode hineingehen und deine musikalische Idee in kurzen Texten niederschreiben – was hätte ich gerne? – und kriegst ein Lied heraus. Vor diesem Hintergrund ist Suno, im weiteren Sinne, eigentlich wie eine Music Box. Eine Music Box, die das spielt, was du jetzt gerade hören möchtest.
Du beschreibst: Ich bin gerade in dieser Stimmung, und möchte zu dieser Stimmung einen Song haben – tippst das in Suno ein, und Suno generiert automatisch ein Musikstück. Wenn du willst, generiert es auch gleich einen Text dazu.
Suno kann aber wesentlich mehr. Es ist nicht nur ein Tool für den Normalverbraucher, der einfach seine Musik haben möchte – sondern auch ein Tool für Musiker*innen und Hobbymusiker, die sagen: Ich möchte diese Software so steuern, dass sie eine Musik produziert, mit der ich dann weiterarbeite.
🎵 INFO: Was ist Suno – und was kostet es?
Suno ist derzeit das bekannteste KI-Tool für Musikgenerierung. Du beschreibst in einem Prompt, wie ein Song klingen soll – Stil, Stimmung, Tempo, Instrumente – und Suno generiert innerhalb von Sekunden einen fertigen Track inklusive Gesang.
Die wichtigsten Versionen:
- Basic (kostenlos): Begrenzte Credits pro Tag, keine kommerzielle Nutzung
- Pro (ab 10 USD/Monat): Mehr Credits, kommerzielle Nutzung möglich
- Premier (ab 30 USD/Monat): Höchste Kapazität, volle Rechteübertragung
- Professional/Studio-Lizenz: Die teuerste Version – inkludiert Suno Studio, eine Mehrspuren-Umgebung im Browser. Dort kannst du einen generierten Song in seine Einzelspuren zerlegen: Gesangsspur, Klavierspur, Drumspur – und diese dann einzeln weiterbearbeiten.
Mit Udio gibt es einen starken Mitbewerber – dessen Download-Funktion ist allerdings seit einem Deal mit Universal Music nicht mehr verfügbar.
Einfacher Prompt oder eingesungene Melodie – wie ein Song entsteht
Cornelia: Du machst das nicht nur mit Textprompts. Du singst auch ein?
SoyErnesto: Genau. Bei Suno gibt's auch ein Suno Studio dazu, wo ich ein Lied, das ich generiert habe, in ein Studio hinein laden kann, die Spuren auseinander rechne – und diese dann einzeln zur Verfügung habe: die Klavierspur, die Drums-Spur, die Gesangsspur etc. Und dort kann ich dann auch noch verändern.
Ich könnte mich aber genauso hinsetzen, meine Gitarre nehmen oder in das System einsingen – und mir daraus ein Lied generieren lassen. Letztens habe ich zum Beispiel „Power to All Our Friends" von Cliff Richard aus den 60ern zum Spaß eingesungen, danach den Originaltext noch mal rein kopiert und mir daraus einen Song machen lassen.
Das erste Mal ganz ohne Stilangabe, einfach so. Das zweite Mal habe ich dann genau vorgegeben: wie der Stil sein soll, welche Instrumente, welches Tempo. Die Unterschiede waren beeindruckend.
Cornelia: Braucht man ein gewisses Musikwissen, um gute Ergebnisse zu bekommen? Ich kenne mich in der Musik wenig aus – und ich habe gemerkt, dass ein gewisses Wording das sicher leichter macht.
SoyErnesto: Ja, klar. Wenn du komplexere Prompts schreiben möchtest, musst du schon eine Idee haben, was du haben willst. Du kannst auch genau vorgeben, wie eine Musik aufgebaut sein soll, welcher Stil, wie sich die Instrumente verhalten sollen – ob die Musik anschwellen oder sich absenken soll, ob ein Gitarrensolo irgendwo platziert werden soll. Viele Dinge eben.
Aber du kannst natürlich auch die KI verwenden, um deinen Prompt zu verbessern. Bei Suno gibt's so einen Zauberstab-Button auf der Seite – wenn du drauf klickst, macht der dir aus deiner einfachen Beschreibung einen strukturierteren Prompt. Oder du gehst zu ChatGPT oder Gemini und sagst: Ich darf bei Suno den Künstlernamen nicht direkt nennen, aber ich hätte gerne einen Song in diesem Stil – und beschreibst, wie der Künstler klingt. Damit kann man schon sehr nahe in diese Richtung arbeiten.
Das Prinzip ist ein ähnliches wie im Textbereich: je mehr Kontext du gibst, desto besser das Ergebnis. In der Musik ist es nicht anders. Wobei: der Textbereich ist schon etwas besser steuerbar.
Der gemeinsame kreative Prozess mit der KI
Cornelia: Wie genau gehst du an einen neuen Song heran?
SoyErnesto: Zum Beispiel: Du sitzt beim Frühstück, man redet irgendwas – und ich kriege eine Idee. Dann renne ich hinauf, gebe meine Idee für den Chorus ein und sage: Das ist mein Chorus, den möchte ich haben. Der Chorus ist sozusagen der Hook, von dem ich möchte, dass die Menschen ihn im Ohr behalten. Und dann lasse ich Intro, Bridge und Outro generieren.
Dann schaut man: Das reimt nicht ganz, das klingt zu klinisch… Man geht mit der KI ins Brainstorming, um die Sprache anzupassen und feilt am Text. Das ist ein kreativer Prozess, mit vielen Iterationen, wo auch durchaus mehrere KI-Tools beim Entstehen des Liedes und des Textes beteiligt sind. Dann definierst du den Stil und gehst ins weitere Feintuning.
Cornelia: Merkt sich Suno deinen Stil mit der Zeit – so wie ChatGPT das über das Memory macht?
SoyErnesto: Suno würde sich das vielleicht merken. Aber bei mir ist das ohnehin kein Thema – mein Grundproblem ist, dass es sehr wenig Stilrichtungen gibt, die ich nicht mag. Von mir wirst du genauso Walzer hören oder Polka bis hin zu ganz futuristischen Dingen. Ich bin, was Musik betrifft, ein sehr freisinniger Mensch. Ich probiere auch denselben Text in vielen verschiedenen Stilen aus, einfach um ein Gefühl zu kriegen, wie würde das klingen.
Ich bin zwar sehr von den Beatles geprägt – das war die erste Musik, die ich sozusagen selbst wiedergegeben habe. Doch ich bin generell ein eher ungeduldiger Mensch und mein Kopf fliegt schon zur nächsten Stilrichtung, während ich noch an der einen arbeite. Daher versuche ich auch, was Musik betrifft, mich nicht festzusetzen. Ich probiere einfach alles aus.

Man lebt mit dem Zufall, was die KI daraus macht
Cornelia: Wie lange ist so ein Musikprompt, mit dem du startest, im Durchschnitt?
SoyErnesto: Das ist immer etwas anders, da ich nicht immer mit einem Prompt starte, sondern manchmal auch mit eingespielter Musik los lege. Doch wenn ich jetzt an die Alben zurückdenke: Die Prompts dort waren eineinhalb bis zwei Seiten, wenn ich sie als Word-Text zusammensetze. Also sehr komplex. Weil die Musik auch nicht so eine 0815-Musik ist. Orchester-Setups oder ähnliche Setups sind einfach extrem lang in dem, was du promptest.
Und dann kommt noch dazu: KI ist ja nicht berechenbar. Du kannst die KI nicht so steuern, dass sie genau das macht, was du vorgibst. Du lebst mit dem Zufall, was die KI daraus macht. Und deshalb bedarf es auch sehr vieler Iterationen, bis die Version dabei ist, wo du sagst: Ja, das ist jetzt annähernd das, was ich haben will.
Wenn man einen Song macht, muss man damit rechnen, dass man viele Versionen macht, bis man die findet, an der man weiter arbeitet. Bei mir sind es immer so um die 10 bis 20 Versionen, bei anderen Kreativen im KI-Bereich sind es bis zu 60 Versionen.
🎹 INFO: Das Tool-Universum rund um KI-Musik
Suno ist nicht allein. Hier die wichtigsten Tools, die Ernst im Gespräch erwähnt:
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Tool |
Wofür |
Besonderheit |
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Suno |
Komplette Songs aus Textprompts oder eingesungenen Melodien |
Inkl. Gesang, derzeit Marktführer |
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Suno Studio |
Mehrspuren-Editing im Browser |
In der teuren Suno-Version enthalten |
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Udio (ehem. Audio) |
Komplette Songs |
Download aktuell stark eingeschränkt (Plattendeal) |
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Studio One |
Professionelle Digital Audio Workstation (Musiksoftware) |
Für Mastering und Feinschliff |
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ChatGPT / Gemini |
Prompt-Entwicklung für Suno |
Stilbeschreibungen formulieren, Texte erstellen |
DAW = Digital Audio Workstation: Software für Musikproduktion. Bekannte Beispiele: Logic Pro, Ableton, Cubase.
Vom Song zum Album – und der Feinschliff außerhalb von Suno
Cornelia: Die Alben sind komplett mit Suno entstanden?
SoyErnesto: Ja, die sieben Alben sind komplett mit Suno entstanden. Zum Teil habe ich dann mit professionellen Tools wie Studio One – das ist eine Musiksoftware – an dem Mastering des Ganzen gearbeitet. Im Zuge dessen habe ich dort und da noch ein paar Sachen umgeändert, habe Teile herausgenommen und gekürzt, ausgeblendet und geschnitten.
Die musikalische Komposition, das Look and Feel, das, was dahintersteckt, das ist alles mit Suno entstanden.
Ich habe auch Variationen gemacht; Cinematic Versions von einem Song oder Orchestral Versions. Du kannst Suno sagen: Verwende mir das Originallied als Referenz und mach mir daraus eine Version mit reduziertem Gesang und anderen Instrumentierungen. Die Melodie bleibt gleich, das Thema bleibt gleich, aber die Musik ändert sich. So wird eine Komposition zur Orchestral Version – voller, mit Streichern, mit Bläsern. Du kannst ganz minimalistische Lieder aufbauen – oder dasselbe Thema ganz anders gewanden.
Insgesamt habe ich von Sommer bis in den Herbst an den sieben Alben gearbeitet.
🔧 INFO: Was bedeutet Mastering?
Wenn ein Song fertig produziert ist, klingt er oft noch nicht so „rund" wie Songs auf Spotify – weniger laut, weniger druckvoll. Mastering ist der letzte Produktionsschritt: Lautstärke anpassen, Frequenzen ausbalancieren, Dynamik kontrollieren.
Früher: spezialisierte Studios, 100–150 Euro pro Track. Heute gibt es KI-Tools, die das automatisieren – etwa Ozone (iZotope), Lander oder den Logic Pro Master Assistant. Ernst hat für seine Alben Studio One verwendet, eine professionelle DAW, die auch Hobbymusiker*innen mit etwas Einarbeitung nutzen können.
Die Rechtsfrage – und warum KI trotzdem nicht zu stoppen ist
Cornelia: Ich weiß, es ist noch kaum etwas ausjudiziert, sehr vieles unklar und alle halten sich mit Einschätzungen zurück: was ist deine Meinung, wie sich die rechtliche Lage im Bereich der mit KI-Tools generierten Musik entwickeln wird?
SoyErnesto: Ich glaube, dort wo die Milliarden sind, werden die Milliarden versuchen, den Markt zu diktieren – indem man urwitzige Forderungen stellt, die Firmen damit konfrontiert, vor Gericht geht und hofft, dass ein Richter für einen entscheidet. Es gab auch schon Urteile, die gesagt haben, die KI-Firmen haben recht. Aber es ist ein Lotteriespiel. Du kannst gewinnen und verlieren – und wenn du verlierst, ist es sehr teuer.
Mir ist ganz klar: Menschen, die Milliarden mit Musik verdienen, haben ein Problem mit einer freien Musik. Wenn du etwas dekommerzialisierst – und KI dekommerzialisiert viele Dinge – ist das für die Industrie eine Herausforderung. Die Industrie will Geld machen. Also werden sie alles bekämpfen, was den Markt liberalisiert.
Aber KI wird nicht zu stoppen sein. Mittlerweile gibt es Open Source KI-Lösungen, wo du Musik-KI, die in Open Source geschrieben ist, auch auf eigenen Rechnern laufen lassen kannst. Insofern glaube ich persönlich nicht, dass der Weg, den die großen Musik-Labels jetzt versuchen, die Generierung von Musik einzuschränken, auf lange Sicht zum Ziel führen wird.
Es gibt auch Künstler, die KI für sich nutzen. Es gab in den USA einen Song auf Platz 1 der Country Charts – und keiner hat gewusst, dass das KI war. Diese Künstler haben mittlerweile Plattenverträge. Das zeigt mir: Wenn ich es nicht weiß als Normalhörer, dann ist es für mich ganz normale Musik, die mir entweder gefällt oder nicht gefällt.
⚖️ INFO: Rechtslage KI-Musik – Stand 2026
Was aktuell klar ist:
- Suno-Songs aus der bezahlten Version dürfen kommerziell veröffentlicht werden (laut aktuellen Terms of Use)
- Spotify löscht nicht KI-Musik per se – sondern Tracks, die gegen Nutzungsbedingungen verstoßen (Spam, Betrug, Urheberrechtsverletzungen)
Was noch offen ist:
- Wie sich die Deals zwischen KI-Plattformen und Labels (Universal, Warner, Sony) auf Nutzer*innen auswirken
- Ob und wann eine Kennzeichnungspflicht für KI-Musik auf Streaming-Plattformen kommt (der EU AI Act sieht Transparenz vor – in der Praxis passiert noch wenig)
Für die Praxis: In den bezahlten Versionen der gängigen Tools bist du für eigene Projekte und kreative Experimente aktuell auf der sicheren Seite. Für kommerzielle Nutzung im größeren Rahmen: Blick in die aktuellen Terms of Use lohnt sich.
Kann man KI-Musik erkennen?
SoyErnesto: Toningenieure hören die Unterschiede – weil natürlich gewisse Dinge nicht so sauber rüberkommen wie bei einem normalen Instrument. Es gibt auch KI-Tools, die KI-Musik identifizieren, aufgrund der Fragmente, die man in der Musik hören kann.
Aber es gibt auch Möglichkeiten, das zu umgehen. Ich kann den KI-Song nehmen, die Spuren per Spektralanalyse zerlegen – ähnlich wie die Beatles das mit ihren Songs gemacht haben –, und dann zum Beispiel die Drums und den Bass mit echten gesampelten Instrumenten hinterlegen. Dann erkennt die KI-Erkennungssoftware den Song nicht mehr als KI-generiert. Das zeigt, wie fließend die Grenzen bereits sind.
🔍 INFO: KI oder Mensch? Was Studien sagen
Deezer hat 9.000 Teilnehmer*innen in acht Ländern drei Songs vorgespielt – darunter einen, der KI-generiert war. Ergebnis: 97% konnten den KI-Song nicht identifizieren.
Gleichzeitig wollen laut derselben Studie 80% der Befragten, dass komplett KI-generierte Musik klar gekennzeichnet wird.
Der Widerspruch, mit dem wir gerade leben: Die meisten Menschen hören den Unterschied nicht – wollen ihn aber trotzdem wissen.
Wo bleibt der Mensch?
Cornelia: Alle haben irgendwie Angst, dass KI das Handwerk ablöst. Ich sehe es so: Der Mensch ist das Premiumprodukt, die KI ist ein bisschen wie die Fertigpizza dazu. Wie siehst du das?
SoyErnesto: Der Mensch fühlt. Eine KI fühlt nicht. Ich glaube, das ist genau der Punkt, wenn es um Kunst geht.
Eine Maschine kann nie das ausdrücken, was du als Mensch aufgrund deiner Gefühle, aufgrund deines Ichs ausdrücken kannst. Ich kann der Maschine sagen, sie soll im Stil einer bestimmten Person oder Gruppe texten – aber die Gefühle dahinter kennt sie nicht. Sie kann sie vielleicht beschreiben, aber nicht fühlen.
Die Grundidee zum Text, das was ich damit erzählen und ausdrücken möchte – das kann mir keine KI machen. Auch wenn ich mir eine Melodie ausdenke, weil ich gerade die Stimmung für genau diese Melodie habe – das kommt von mir. Ich mache heute vielleicht nicht mehr ein komplettes Lied allein, aber ein Grundthema, das ich einsinge oder einspiele und von dem ich weiterarbeite – kommt von mir persönlich. Dieses Herz, dieses Gefühl – das wird immer da sein. Das kann die Maschine auch nie lernen.
Und wenn ich an Thomas Foster denke – ein österreichischer Profimusiker, dessen Musik und Jingles in fast allen Ländern der Welt abgespielt wird und der sehr viel in Richtung KI in der Musik macht –, dann sagt er das genauso. KI ist so wie der Synthesizer in den 70ern ein Werkzeug war, mit dem die Leute dann Dinge gemacht haben. Eine KI ist heute genauso ein Werkzeug, das dich ergänzen kann – oder das du ignorierst. Aber wenn du es verwendest, reifst du daran.
Cornelia: Produzierst du jetzt mehr Musik, seit du KI nutzt?
SoyErnesto: Ich habe mittlerweile ca. 10.000 Lieder gemacht. Ja, wirklich. Das meiste ist nicht veröffentlicht. Ich verwende diese Lieder, um Ideen aufzubauen. Vielleicht mache ich irgendwann was draus, vielleicht setze ich Teile zusammen. Ich mache das aus Spaß – und nicht, um die Welt mit meiner Musik zu überfluten.
„Sei neugierig – und lass dich nicht durch dich selbst bremsen"
Cornelia: Was würdest du jemandem mitgeben, der oder die jetzt anfangen möchte, sich damit näher auseinander zu setzen?
SoyErnesto: Sei neugierig! Und lass dich nicht durch dich selbst bremsen. Auch durch niemanden anderen.
Und noch etwas: Jedes Geräusch ist auch Musik. Das Wehen des Windes, das Rauschen der Wellen, das Zwitschern der Vögel. Vielleicht ist das auch eine Inspiration für das, was du als nächstes in Suno eingibst.
Bilder: Ernst Steininger
